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Zum Projekt „achtundvierzig“

Das Kunstprojekt „achtundvierzig“ ist ein vielschichtiges Projekt. Die Künstlerinnen Ria Hochmann aus Freiburg und Monika Rienössl aus Wien beziehen dabei das traditionelle „Fensterbild“ mit fotografischen Mitteln ebenso mit ein, wie auch Aspekte der „Land-Art“ und „Konzept-Art“.

Das Fensterbild, das schon einem eigenen Genre zugerechnet werden muss, hat seit der Romantik durch Künstler wie Caspar David Friedrich, später im 19. und 20. Jahrhundert durch Henri Matisse, Hans Purrmann, René Magritte, Robert Delaunay und andere hohe Bedeutung als Sinnbild von innen und außen, Verbildlichung der Verbindung des Menschen und seiner Gefühle mit der Außenwelt erlangt. Dabei findet sich der Betrachter des Bildes in der Rolle desjenigen, der aus dem Fenster schaut, den Blick ins Freie wahrnehmend. Bild und Fenster werden deckungsgleich. 

Bei den Künstlerinnen Ria Hochmann und Monika Rienössl wird das Fensterbild, das jeweils aus Ihren Wohnungen und ihrer Privatheit heraus aufgenommen wurde, auch zur Öffnung der gedanklichen Verbindung zur jeweils anderen Künstlerin in Richtung des 48. Breitengrads. Dabei bieten die Aufnahmen keine pittoresken Ansichten, sondern beschränken sich auf die Alltäglichkeit eines Blicks aus einem (ihrem) Fenster und weisen damit auch über das Bild hinaus auf den eigentlichen Kern der künstlerischen Arbeit hin. Dieser besteht eben im gedanklichen Zusammenhang des Kunstprojekts, das auch die Unfassbarkeit von Raum und Zeit, Nähe und Weite, privat und öffentlich thematisiert. 
Das Fensterbild, welches in der Kunstgeschichte bisher nur als Fenster nach draußen erschien, erhält in diesem Projekt nun erstmals eine Erwiderung und Erweiterung durch ein anderes gegengleiches Fenster, durch das zwar auch nach draußen geschaut wird, gleichzeitig aber spiegelbildlich zum Fenster der anderen Künstlerin. So ist jedes Fenster, aus dem heraus das Außen aufgenommen wird, Sender und Empfänger zugleich!

Einige Aspekte des Projekts sind dabei auch der „Land-Art“ zuzurechnen. Zum einen die elementare Beziehung auf den 48. Breitengrad des Erdglobus als Verbindungslinie und zentraler Punkt des Projekts, zum anderen die regelmäßigen festgelegten Zeitabschnitte, die einen Sonnenumlauf der Erde aufteilen. Ebenso steht das Kunstprojekt auch im engen Zusammenhang zur „Konzept-Art“, da sich der 48. Breitengrad selbst gar nicht darstellen lässt, sondern das gedankliche Rückgrat des Projekts bildet, um das herum die Aufnahmen und Aufzeichnungen  der Künstlerinnen stattfinden, die dann später das Geschehnis um die Idee herum konkret werden lassen und die Überlegungen der Künstlerinnen dokumentieren.

Helmut Albert, Freiburg








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Ein Breitengrad ist ein Teil eines gedachten Koordinatensystems auf der Erdoberfläche. Dieses ist in 360 Längengrade und 180 Breitengrade aufgeteilt. Damit kann ein Punkt an einem beliebigen Ort auf der Erde geographisch bestimmt werden. 

Ausgangspunkt für unsere Arbeit ist die Tatsache, dass sich unsere Wohnorte Freiburg und Wien auf dem 48. Breitengrad befinden. Dadurch ist die Zahl 48 zum Schlüssel unseres gemeinsamen Projekts geworden. Von unserem jeweiligen Lebensmittelpunkt aus wenden wir den Blick einander auf der „48er Linie“ zu. 
Mittels der Fotografie deuten wir den immensen Raum zwischen uns an, verbildlichen ihn. Nähe, Ferne und Vergänglichkeit werden durch bild-räumliche und zeitliche Festlegungen bestimmt. Einerseits die Distanz von 700 km, zum anderen zeitgleiche Aufnahmen in Richtung des jeweils anderen. Die Fotos zeigen die jeweilige Umgebung aus unseren Wohnhäusern heraus in Richtung einer gedachten Verbindungslinie bzw. des 48. Breitengrads.

Um eine Zeitgleichheit für das jeweilige Foto zu finden, teilten wir ein Jahr in 48 Einheiten auf. Dadurch entstand ein 8-Tages-Rhythmus. Mittels dieser Berechnung konnten wir den jeweiligen Tag für das gemeinsame Foto bestimmen. Den Blick aus dem Fenster und durch die Kamera richteten wir zueinander, das bedeutet von Freiburg nach Osten Richtung Wien und von Wien nach Westen Richtung Freiburg. Das geschah immer am gleichen Tag (Augenblick) und mit demselben Motiv. Die Idee bestand darin, aus dem Alltag heraus über ein Jahr lang kontinuierlich diese Linie aufrecht zu erhalten. 

In den Bildern werden die Stimmungen der verschiedenen Tages- und Jahreszeiten sichtbar. Kleine räumliche Veränderungen treten durch den Einjahreszeitraffer hervor. Die Verbindungslinie signalisierte unsere Verbundenheit, zeigte aber auch die Distanz. Erst bei Zusammenführen der Bilder löste sich die Distanz wieder auf, und die Verbindungslinie war wieder hergestellt.


Ria Hochmann, Freiburg und Monika Rienössl, Wien

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Ein mehrteiliges Kunstprojekt von Ria Hochmann und Monika Rienössl

Ausgangspunkt für unsere Arbeit ist die Tatsache, dass sich unsere Wohnorte Freiburg und Wien auf dem 48. Breitengrad Nord befinden. Dadurch ist die Zahl 48 zum Schlüssel unseres gemeinsamen Projekts geworden.

Projekt 1 – (Fensterblicke) entstanden im Zeitraum eines Jahres 01.07.2012-30.06.2013 – 48 Fensterblicke jeweils aus unserer Wohnung in Freiburg und Wien, immer am gleichen Tag aufeinander zu fotografiert.

Um eine Zeitgleichheit für das jeweilige Foto zu finden, teilten wir ein Jahr in 48 Einheiten auf. Dadurch entstand ein 8-Tages-Rhythmus. Mittels dieser Berechnung konnten wir den jeweiligen Tag für das gemeinsame Foto bestimmen. Den Blick aus dem Fenster und durch die Kamera richteten wir zueinander, das bedeutet von Freiburg nach Osten Richtung Wien und von Wien nach Westen Richtung Freiburg. Das geschah immer am gleichen Tag (Augenblick) und mit demselben Motiv. Die Idee bestand darin, aus dem Alltag heraus über ein Jahr lang kontinuierlich diese Linie aufrecht zu erhalten.

In den Bildern werden die Stimmungen der verschiedenen Tages- und Jahreszeiten sichtbar. Kleine räumliche Veränderungen treten durch den Einjahreszeitraffer hervor.

Projekte 2 und 3 – Reisen mit dem Auto auf dem 48. Breitengrad.

Die Reiseroute legten wir vor Fahrtbeginn fest. Wir wählten Straßen, die möglichst nahe am 48. Breitengrad entlangführen.

Für die Dokumentation per Foto und Film präparierten wir das Auto. Der Fotoapparat wurde direkt hinter der Windschutzscheibe fixiert, so dass Ria während des Fahrens auch fotografieren konnte, ohne durch den Sucher schauen zu müssen. Vor dem Beifahrer stand das Stativ mit der Filmkamera, musste mit den Füßen fixiert werden. Außerdem brauchten wir Straßenkarten und Navy. Das Fahren erforderte auf diese Weise höchste Konzentration: Weg finden, fotografieren und filmen gleichzeitig und natürlich auf den Verkehr konzentrieren.

Projekt 2:  Oktober 2014 – Fahrt mit dem Auto auf dem 48. Breitengrad (Richtung Osten) von Freiburg nach Wien.

970 km auf Landstraßen durch die Provinzen Süddeutschlands und Österreichs.

Projekt 3: April 2017 – Fahrt mit dem Auto auf dem 48. Breitengrad (Richtung Westen) von Freiburg nach Pors Poulhan/Bretagne/Frankreich.

1240 km auf Landstraßen durch die Provinzen Frankreichs.

Ria Hochmann und Monika Rienössl

Freiburg – Bretagne – Strecke auf dem 48. Breitengrad gefahren 2017

Freiburg – Wien – Strecke auf dem 48. Breitengrad gefahren 2014